11 - Mir geht’s nicht gut. Punkt.

Shownotes

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Herzlich Willkommen zu meiner neuen Folge meines Podcast Symptomgeflüster - Ehrlichkeit auf Zellniveau. 

Ehrlichkeit auf Zellniveau? Lass uns genau da reingehen. Lass mich heute ehrlich sein. 

Mir geht es aktuell nicht gut. Natürlich auf einem sehr hohen Niveau nicht gut, nicht existentiell aber egal. Mir geht es nicht gut und das darf sein. 

Es gibt so Zeiten - wahrscheinlich kennst Du das auch - da häuft es sich echt. Als würde das eine Thema nicht reichen kommt auf einmal eine fette Rechnung ins Haus geflattert, irgendetwas geht kaputt und muss repariert oder ersetzt werden. Sicher geglaubtes wird scheinbar unsicher. Ärger mit dem Chef, Struggel im Job, privat kocht etwas immens hoch was eigentlich schon geklärt war aber wohl doch nicht, die Weltlage geht mir an die Nieren und so weiter und so fort. 

Von allem etwas. wenn wir ehrlich sind etwas viel. Sehr viel. Es reicht, verdammt nochmal! . 

Trotzdem geht das Leben weiter, wahrscheinlich kennst auch du das. Termine bleiben, die Verpflichtungen bleiben, der Alltag bleibt. Die Ansprüche an sich selber bleiben beziehungsweise werden witzigerweise oft sogar noch strenger - denn wenn schon denn schon. 

Also Zähne zusammenbeissen, verbissen weitermachen und weiter geht es. 

Ehrlichkeit auf Zellniveau. 

Was macht mein Körper derweil? 

Er ist komplett verspannt. Ich habe keinen Appetit mehr, meine Haut wird trocken. Ich habe Magenschmerzen, ich habe eine fette Erkältung bekommen und mein persönlicher Körper-Stress-Indikator, die Blasenreizungen, sind täglich mehrfach da. Meine Augen tun weh, ich bin fix und fertig und möchte eigentlich nur noch in meinem Sessel unter einer Decke sitzen mit einer Wärmflasche - und sein. Einfach sein. 

Meine Stimmung fährt Achterbahn und ich fange an, mir zu erzählen, dass einfach alles keinen Sinn macht. Dass ich “es” (wobei “es” völlig austauschbar ist) niemals schaffen kann und werde. Wie konnte mir DAS passieren, wieso habe ich DAS verdient? Und die Stimmung wechselt von Resignation, Frust, Verbitterung hin zu einer gepflegten Opferhaltung. 

Und es wird nicht besser. 

Was hilft mir? Boah, da musste ich über einige Jahre auch erstmal hinkommen. Mein erprobter und verfeinerter 1.Hilfe-Plan. 

Das wichtigste ist “STOP!!!” Erstmal die Gedankenspirale unterbrechen. Laut, grob, ich schlage mir auch gerne mit überkreuzten Armen die Fäuste gegen die Brust und sage dabei laut “STOP”!!! 

Und das ist der wichtigte Schritt von allen. Denn in dem Moment habe ich registriert und gemerkt, dass ich in  einer Spirale bin. In einem Film. In einem inneren „Oh mein Gott, oh mein Gott“-Loop. Panik, Überforderung, flacher Atem, in meinem Fall oft ein Freeze-Modus, aus dem ich nicht mehr raus komme. Und alles, was ich versuche zu entscheiden oder zu erledigen wird nicht gut. So ist es einfach. Darum STOP!

Und – das ist jetzt der Part, den ich früher nicht konnte – ich versuche nicht, den Film schöner zu machen und mir einzureden, dass alles nicht so schlimm ist. Ich hab nur… kurz auf Pause gedrückt.

Weil: Solange der Kopf rennt, rennt der Körper hinterher. Und der Körper rennt nicht „einfach so“. Der Körper rennt, weil er glaubt, er muss dich retten. Und er macht das mit den Mitteln, die er halt kennt: Anspannung, Entzündung, Schlafstörung, Appetit weg, Haut trocken, Blase meldet sich, Erkältung on top – alles so kleine red flags. Manche sind eher so ein Fähnchen. Manche sind schon ein ganzes Transparent mit der Aufschrift: HALLO? KANNST DU BITTE MAL ZU DIR KOMMEN?

Also: STOP.

Und dann kommt Schritt zwei aus meinem Erste-Hilfe-Plan. Und der ist so unspektakulär, dass er fast schon nervt: Ich werde konkret.

Raus aus dem Freeze-Modus. Und wenn es bei dir der Fight-Modus ist passt es wahrscheinlich noch besser. Aufstehen, Fenster auf, die Anspannung abreagieren lassen. Bei mir funktioniert es am besten mit Musik auf den Ohren und Arme schütteln, hüpfen - egal wie. Hauptsache überhaupt. Bis ich ausser Atem bin.

Und dann werde ich konkret mit mir. Mit meinem Körper. Mit dem, was jetzt ist.

Ich frage mich:

Was ist gerade wirklich los – in mir?

Nicht im Außen. Nicht „was ist passiert“. Sondern: Was passiert gerade in mir?

Und ich sag dir was: Das ist häufig der Moment, wo ich erstmal… gar nichts weiß. Nur „zu viel“. Nur „ich kann nicht“. Nur „ich will weg“. Nur „es ist zu eng“.

Und das ist wichtig. Weil ganz oft versuchen wir, aus einem diffusen „zu viel“ heraus direkt Lösungen zu finden. Und es klappt nicht. Weil mein System gar nicht lösungsfähig ist, wenn es im Alarmzustand ist. Da kannst ich mir noch so sehr einreden „Ich schaff das“. Mein Nervensystem sagt: „Meine Liebe, ich bin im Kriegsmodus. Ich hab Scheuklappen an, ich KANN jetzt nicht nach links oder rechts schauen“

Also werde ich konkret. Und zwar so:

Ich setze mich hin. Ich lege eine Hand auf meinen Brustkorb. Oder auf den Bauch. Oder wohin auch immer ich komme, ohne dass ich sofort wieder flüchten will. Und ich atme. Nicht schön. Nicht tief. Einfach… ich atme.

Und dann sage ich laut das, was mir in den Sinn kommt:

„Okay. Gerade ist es echt viel.“

„Gerade bin ich überfordert.“

„Gerade habe ich Angst.“

„Gerade fühle ich mich allein.“

„Gerade bin ich wütend.“

„Gerade bin ich traurig.“

„Gerade bin ich müde.“

Und wenn ich gar keine Worte finde, sag ich einfach:

„Gerade ist es verdammt eng.“

„Gerade ist es laut.“

„Gerade ist es dunkel.“

Das ist Ehrlichkeit auf Zellniveau. Nicht dieser „Ich bin dankbar und vertraue dem Prozess“-Sprech, während ich einfach nicht mehr kann. Sondern: die Wahrheit im Moment.

Weißt du, was da passiert?

Mein System hört mich. Wirklich. Es ist wie: Ah, sie ist da. Sie ist nicht weg. Sie ist bei mir.

Und dann – erst dann – kommt Schritt drei. Und der ist für mich der Gamechanger gewesen:

Ich sortiere: Was ist akut. Was ist Drama. Was ist alt.

Akut sind Dinge, die wirklich jetzt behandelt werden müssen. Jetzt. Ansonsten.. ja was? Die Frage, die mir sofort den Druck rausnimmt ist folgende: wenn ich xyz nicht jetzt sofort mache - kommt jemand zu Schaden? Stirbt jemand? Und ganz ehrlich: die Antwort ist zu 99%: nein. Ja, vielleicht gibt es eine Mahnung. Aber ob ich nun heute oder morgen überweise - davon stirbt keiner. Also durchatmen. Vorbereitungen für den Kindergeburtstag, oh mein Gott! Das ist schon nächste Woche! Ja. Aber ob ich die Geschenkeliste heute oder morgen erst fertigmachen - stirbt jemand akut? Nein. Also durchatmen. Nicht verdrängen - aber auf eine Liste und erstmal raus aus dem Kopf und atmen. 

Drama ist nämlich das, was mein Kopf daraus macht. 

Netter Sidefact: Ein echtes, unverfälschtes Gefühl (Emotion) dauert physiologisch betrachtet im Körper nur etwa 90 Sekunden an, danach sind die Neurotransmitter, die da beteiligt sind wieder abgebaut und die körperliche Reaktion flaut ab.. Die Neurowissenschaftlerin Dr. Jill Bolte Taylor betont, dass eine Emotion ein natürlicher Energiefluss ist, der nach 90 Sekunden durch den Körper geflossen ist und abklingt. Das Gefühl entsteht, erreicht seinen Höhepunkt und verschwindet, sofern man nicht im "emotionalen Loop" stecken bleibt und sich durch (und ich sage das in aller Liebe auch zu mir selber…) und sich durch erinnern an den Auslöser und auch ein Stück weit reinsteigern selber am Leben hält. Wobei auch hier zu differenzieren ist zwischen Emotionen (wie Wut oder Freude) und Stimmungen oder komplexe Gefühlszustände (wie z.B. Trauer), die durch anhaltende Gedanken wesentlich länger andauern können. 

Jaaaaa - also sortieren in akut, Drama und alt. Und alt… alt ist das, was sich irgendwie diffus anfühlt aber trotzdem alles unterschwellig lenkt. 

Und ich will da kurz rein, weil das ist so spannend.

Wenn bei mir vieles zusammenkommt, dann geht mein System nicht einfach nur in „stressig“. Es geht in „Achtung Gefahr“. Und die Gefahr ist selten die Rechnung oder der Chef oder der Konflikt. Die Gefahr ist dieses alte Gefühl: Ich muss das alleine schaffen. Oder: Ich darf keine Schwäche zeigen. Oder: Wenn ich’s nicht im Griff habe, bin ich verloren. Oder: ich werde nicht geliebt, wenn ich nicht leiste.

Und zack – bist du nicht mehr 32, 42 oder wie alt du aktuell halt bist. Du bist innerlich wieder 4. Oder 7. Oder 16. Und du fühlst dich so, als wärst du ausgeliefert und abhängig.

Und das ist der Moment, wo Symptome richtig Sinn machen.

Weil Symptome sind nicht „Fehler“. Symptome sind Strategien.

Dein Körper ist nicht gegen dich.

Dein Körper ist für dich.

Nur manchmal ein bisschen… äh… übermotiviert.

Blasenreizungen zum Beispiel – mein Klassiker – sind bei mir ganz oft: Grenze.

So ein: „Zu viel Input. Zu viel Druck. Zu viel Aushalten. Zu wenig Ich.“

Und ich weiß, wie das klingt. Ich weiß. „Ja ja, Blase und Grenzen, ist klar.“

Aber wenn ich ehrlich bin: Es stimmt. Immer. Jedes Mal, wenn ich wieder denke, ich müsse durchziehen, obwohl ich längst überm Limit bin – meldet sich die Blase. Wie so eine sehr unangenehme Freundin, die sich vor mich stellt und sagt: „Hallo. Ich bin da. Ich bleibe. Bis du zuhörst. Und wenn du nicht zuhörst dann kann ich auch noch deutlicher werden“

Und das ist nicht angenehm. Und nein, ich manifestiere das nicht, weil ich so darüber denke. Das ist keine self fulfilling prophecy. Das ist Nervensystem. Das ist Körperlogik.

Also: Ich sortiere.

Und jetzt kommt ein Part, den ich dir heute unbedingt mitgeben will, weil ich glaube, dass wir das alle miteinander verlernt haben:

Wir dürfen es klein machen.

Nicht „kleinreden“. Nicht wegdrücken. Sondern: klein portionieren.

Wenn alles zu viel ist, versuchst du nicht, das Leben zu lösen. Du löst die nächsten 10 Minuten. Oder die nächste Stunde. Oder den nächsten Atemzug.

Und dann frage ich mich:

Was brauche ich jetzt – wirklich?

Und meine Liste ist so banal, aber ich schwöre dir: Sie rettet mich.

1. Wasser.

Ich trinke ein Glas Wasser. Nicht als Wellness, sondern als Signal: „Wir sind gerade nicht in der Wüste. Wir werden nicht sterben.“

2. Wärme.

Wärmflasche, Decke, Tee, warme Dusche. Wärme ist Sicherheit für den Körper. Gerade wenn alles kalt und hart ist.

3. Essen – irgendwas.

Wenn ich keinen Appetit habe, dann gibt’s halt was Einfaches. Suppe. Banane. Toast. Egal. Hauptsache: „Ich versorge mich.“

4. Entlastung im Außen.

Ich gucke: Was kann weg? Was kann warten? Was kann delegiert werden?

Und hier kommt der Teil, den viele nicht mögen: Ich sage auch mal ab. Ich schiebe. Ich mache nicht alles. Und ja, es darf auch unperfekt sein. Muss ich den Kuchen für das Buffet unbedingt selber backen? KLar, schöner wäre es - aber auch gekaufter Kuchen schmeckt.

Und ja, da kommt dann sofort diese Stimme: „Aber du musst doch!“

Und ich sag: „Nein. Ich muss gar nichts.” 

Mein absoluter Lieblingssatz ist: “Nein ist ein vollständiger Satz mit einem Punkt dahinter”. Er bedarf auch keine langen Begründungen oder Rechtfertigungen. Ein liebevolles “Nein, diesmal nicht.” reicht.

Und dann gerne auch Co-Regulation.

Ich melde mich bei einem Menschen. Nicht bei dem Menschen, der dann noch mehr Drama macht, sondern bei dem, der mich sieht und mir zuhört. Nicht sofort mit Lösungen um sich ballert sondern einfach mal nur da ist.Oder sich für mich aufregt wo ich es nicht kann. so so wichtig.

Und manchmal heißt Co-Regulation auch: Ich höre eine Stimme. Ich höre einen Podcast. Ich lasse mich begleiten. Ich bin nicht allein.

Und weißt du, was ich früher gemacht habe?

Ich habe mir dann erzählt: „Ich will niemanden belasten.“ Ich bekomme immer noch Gänsehaut wenn ich mich das sagen höre.

Und ich finde diesen Satz mittlerweile so… schade. Weil er so tut, als wäre Nähe eine Belastung. Als wäre Verbindung etwas, das man nur verdient, wenn man gut drauf ist. Als wäre es eine Schande, mal in die Knie zu gehen und nicht mehr zu können. 

Ehrlichkeit auf Zellniveau heißt auch:

Ich darf sagen: „Mir geht’s gerade nicht gut.“

Ohne es zu entschuldigen. Ohne es zu erklären. Ohne es zu verpacken.

Und jetzt kommt Schritt sechs – und der ist so wichtig, weil er dich aus dem Opfermodus rauszieht, ohne dass du dich selber übergehst  mit „positiven vibes“.

Ich übernehme Verantwortung, aber nicht Schuld.

Verantwortung heißt: Ich schaue hin. Ich höre mir zu. Ich treffe Entscheidungen. Ich übernehme die Verantwortung für mein Leben - mit allen Hochs und Tiefs.

Schuld heißt: Ich mache mich fertig. Ich bin falsch. Ich bin kaputt.

Und nein. Du bist nicht kaputt. Genausowenig wie ich gerade. 

Du bist überlastet. Du bist überreizt. Du bist vielleicht in einem alten Muster. Du bist in einem Nervensystem, das Schutzprogramme fährt. Das ist nicht „du bist falsch“. Das ist: „dein System macht, was es gelernt hat.“

Und dann mache ich etwas, was ich wirklich jedem wünsche:

Ich spreche mit meinem Körper, als wäre er nicht mein Feind.

Ich sage sowas wie:

„Okay. Danke. Ich hab’s verstanden.“

„Du musst nicht mehr so laut schreien, ich bin da. Ich übernehme hier.“

„Ich sehe, dass du versuchst, mich zu schützen.“

„Wir machen das jetzt zusammen.“

Und ja, ich weiß, das klingt für manche weird oder esoterisch. Ist mir egal.

Weil: Es funktioniert.

Der Körper reagiert auf Beziehung.

Nicht auf Druck.

Und jetzt möchte ich dir noch etwas erzählen, was bei mir aktuell richtig krass ist: Ich werde sehr schnell… hart. Nicht nur zu mir. Auch zu anderen. Ich werde ungeduldig. Ich werde spitz. Ich strahle ein „lass mich in Ruhe“ aus. Um den Schein zu wahren lächle ich vornerum aber es ist nicht echt. 

Früher habe ich mich dafür fertig gemacht. Heute sehe ich: Das ist ein Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass ich innerlich schon so lange über meine Grenzen gehe, dass mein System irgendwann nur noch auf „Abwehr“ schaltet.

Und wenn du dich da wiedererkennst: Du bist nicht „gemein“. Du bist überfordert.

Dein Nervensystem macht dicht, weil es keine Kapazität mehr hat.

Und das ist der Moment, wo ich mich frage:

Was habe ich die letzten Wochen ignoriert?

Weil selten kommt sowas aus dem Nichts. Es ist meistens eine Aufstauung.

Viele kleine „geht schon“.

Viele kleine „mach ich noch schnell“.

Viele kleine „ich halte das aus“. Viele kleine “danke, alles gut”

Und irgendwann ist das Konto leer.

Und dann kommt die Rechnung. Nicht nur die im Briefkasten. Sondern die im Körper.

Und genau hier wird’s spannend, weil vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieser Folge:

Symptome sind nicht das Ende. Symptome sind ein Anfang.

Sie sind eine Einladung zu Ehrlichkeit. Zu einem echten Check-in.

Zu der Frage: Wie geht es mir wirklich?

Nicht: Wie wirke ich?

Nicht: Wie performe ich?

Sondern: Wie geht es mir?

Und wenn ich jetzt gerade sage: „Mir geht’s nicht gut.“, dann ist das tatsächlich erwachsen.

Das ist Selbstführung. So ist das Leben.

Das ist – in meinem Verständnis – echte Stärke.

Weil Stärke ist nicht „ich ziehe durch“.

Stärke ist: „Ich spüre mich und handle entsprechend.“

Und vielleicht – nur vielleicht – ist das der Punkt, an dem du heute einmal kurz stoppst und dich fragst:

Wo ziehe ich gerade durch, obwohl ich längst eine Pause brauche?

Wo sage ich „geht schon“, obwohl mein Körper „nein“ sagt?

Und was wäre der kleinste, machbarste Schritt, um mir heute ein bisschen mehr Sicherheit zu geben?

Und wenn du jetzt gerade denkst: „Ja, schön und gut, aber ich kann nicht einfach…“

Dann hör zu. Du musst nicht „einfach“. Du musst nicht dein Leben umkrempeln. Du musst nicht kündigen, dich trennen, auswandern, alles neu machen.

Du darfst anfangen mit:

ein Glas Wasser.

eine Wärmflasche.

eine Nachricht an jemanden.

ein Termin weniger.

zehn Minuten liegen und atmen.

Und das ist nicht zu wenig. Das ist Regulation. Das ist Wiederankommen.

Ich will noch kurz auf diesen Satz eingehen, den ich vorhin gesagt habe: „Es macht alles keinen Sinn.“

Weil das ist so ein typischer Satz aus dem Nervensystem-Alarm.

Wenn dein System überlastet ist, verliert es Zukunft. Es verliert Perspektive. Es sieht nur noch: Gefahr, Gefahr, Gefahr.

Und dann fühlt sich alles sinnlos an. Nicht weil es objektiv sinnlos ist, sondern weil dein Körper gerade nicht sicher genug ist, um Sinn zu fühlen.

Und das ist so wichtig, weil wir diesen Satz oft zu ernst nehmen. Wir denken dann: „Oh Gott, ist das die Wahrheit?“

Und ich sage: Nein. Das ist ein Zustand. Kein Urteil.

Der Zustand braucht Versorgung. Nicht Analyse.

Also: STOP. Konkret werden. Sortieren. Klein machen. Co-Regulation. Verantwortung ohne Schuld.

Und dann… kommt bei mir meistens irgendwann ein Moment, wo ich weine. Oder wo ich merke: Ich bin einfach nur erschöpft. Und unter der Wut ist Traurigkeit. Und unter der Traurigkeit ist Angst. Und unter der Angst ist dieses kleine: „Ich will gehalten werden.“

Und das ist vielleicht der ehrlichste Punkt von allem.

Wir wollen so oft stark sein. Unabhängig. „Ich krieg das alleine hin.“

Und gleichzeitig ist der Mensch ein Bindungswesen. Unser Nervensystem ist darauf ausgelegt, dass wir uns in Beziehung beruhigen.

Also ja: Ich will manchmal einfach nur in meinem Sessel sitzen unter einer Decke mit einer Wärmflasche – und sein.

Und weißt du was? Das ist nicht „faul“. Das ist nicht „schwach“.

Das ist klug.

Weil vielleicht ist genau das die Medizin, bevor es schlimmer wird.

Und wenn du dich gerade in so einer Phase wiederfindest: Ich sehe dich. Und ich will dir sagen: Du musst nicht warten, bis es „ganz schlimm“ ist, um dir Hilfe zu erlauben. Du musst nicht warten, bis du zusammenbrichst, um eine Pause zu rechtfertigen.

Dein „nicht gut“ reicht.

Und bevor ich diese Folge beende, möchte ich dir noch eine kleine Übung mitgeben. Ganz kurz. Wenn du gerade irgendwo sitzt – im Auto bitte nicht mit geschlossenen Augen, ja? – dann mach das so:

Leg eine Hand auf deinen Brustkorb.

Atme einmal ein… und aus.

Und sag dir innerlich: „Ich bin hier.“

Nochmal ein… und aus.

„Ich bin sicher genug für diesen Moment.“

Nochmal ein… und aus.

„Ich muss das nicht alleine tragen.“

Und wenn dir das zu viel ist, dann reicht auch nur:

„Ich bin hier und lebe.“

Das ist Ehrlichkeit auf Zellniveau.

Nicht groß. Nicht perfekt. Sondern echt.

Ich hoffe, du konntest dir heute irgendwas mitnehmen – vielleicht ein bisschen Weichheit, ein bisschen Verständnis, vielleicht auch die Erlaubnis, nicht zu funktionieren.

Wenn du magst, schreib mir, was dein Körper dir gerade sagt. Was dein persönlicher Stress-Indikator ist. Und was du brauchst, damit es dir ein kleines bisschen besser geht.

Danke, dass du hier bist.

Danke, dass du dir zuhörst.

Und wir hören uns in der nächsten Folge von Symptomgeflüster – Ehrlichkeit auf Zellniveau.

Kommentare (1)

XinterXx

Tolle Episode. Macht weiter so

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